Fortsetzung erwünscht! - „NRW wohnt“-Abschluss auf der Zeche Zollverein

„Wie werden wir morgen wohnen?“ - Diese Fragestellung stand als Generalthema über der Aktionsplattform „NRW wohnt“, mit der die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen über zweieinhalb Jahre Aspekte des Wohnens in Nordrhein-Westfalen analysiert und öffentlich diskutiert hat. Mehrere tausend Teilnehmer kamen zu den sieben Veranstaltungen, die quer durch das ganze Land stattfanden. „Es gibt viele innovative Bauten und Projekte in Nordrhein-Westfalen, mit denen Architekten, Wohnungswirtschaft und Bauherren moderne Wohnformen entwickelt und erprobt haben“, erklärte der Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, Hartmut Miksch, am 19. April im Rahmen der Abschlussveranstaltung zu „NRW wohnt“ auf der Zeche Zollverein in Essen. Mit Blick auf die sich wandelnden Wohnbedürfnisse sei ihre Zahl aber noch zu gering. „Wir wünschen uns mehr Mut für den Wohnungsbau!“

Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterZwei Jahre "NRW wohnt" - ein Rückblick

Zukunftsweisende Ideen, Konzepte und Praxisbeispiele wurden im Rahmen von „NRW wohnt“ in verschiedenen nordrhein-westfälischen Städten öffentlich vorgestellt und diskutiert. „Neue Wohnformen für die Stadt“, „Wohnen mit sozialem Anspruch“, „Wohnen im ländlichen Raum“ und „Integration im Stadtteil“ lauteten einige der Themen, die kennzeichnen, in welchen Bereichen sich das Wohnen in Deutschland gegenwärtig stark verändert. „Unsere Gesellschaft gliedert sich in immer mehr Teilgruppen auf“, erläuterte Hartmut Miksch in Essen. „Das Wohnangebot ist aber noch wie vor überwiegend standardisiert: 2 - 3 Zimmer, Küche, Diele, Bad. Das wird unseren modernen Wohnwünschen nicht mehr gerecht.“


„Das Wohnangebot ist aber noch wie vor überwiegend standardisiert." - AKNW-Präsident Hartmut Miksch im Interview mit Moderatorin Gisela Steinhauer. - Fotos: Iris Wolf

Notwendig sind aus Sicht der Architektenkammer NRW vor allem ein deutlich größeres Angebot an barrierearmen Wohnungen, damit ältere Menschen noch lange in ihren eigenen vier Wänden leben können, mehr gemeinschaftsorientierte Wohnprojekte, die ein generationenübergreifendes Wohnen ermöglichen sowie Raumkonzepte für Wohngemeinschaften - gerade auch für ältere Menschen. Der Präsident der Architektenkammer NRW bedauerte, dass der Wohnungsneubau in Nordrhein-Westfalen in den vergangenen Jahren kontinuierlich abgenommen habe. „Wir benötigen bessere steuerliche Anreize, damit wieder mehr privates Kapital in Wohnungsbauprojekte fließen kann“, forderte Hartmut Miksch. Er rief außerdem dazu auf, junge Menschen in die Entwicklung von Wohnkonzepten und Stadträumen einzubeziehen. „Um das Niveau der Baukultur weiter steigern zu können, müssen wir Kinder und Jugendliche möglichst frühzeitig für das aktive Wohnen in Nordrhein-Westfalen gewinnen.“

Das nordrhein-westfälische Ministerium für Bauen und Verkehr unterstützte die Aktionsplattform „NRW wohnt“ sowohl inhaltlich wie auch finanziell. „Die Architektenkammer hat es mit ‚NRW wohnt’ geschafft, ein ganz zentrales Thema, das uns auch alle ganz persönlich sehr betrifft, wieder in den Fokus zu rücken“ bekräftigte NRW-Bauminister Lutz Lienenkämper auf der Abschlussveranstaltung in Essen. „Wohnen“ sei lange Zeit etwas ins Abseits geraten, weil man vor allem über die Themen Handel, Kultur, Freizeit und Gärten in der Stadt diskutiert habe. „Aber das Wohnen, das eigentlich die Stadt bestimmt und der eigentlich belebende Faktor für jede Stadt und für jede Innenstadt ist, wurde vernachlässigt. Das ist inzwischen anders“, lobte Lienenkämper das Aktionsprogramm der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen. Lutz Lienenkämper bestärkte die AKNW in der Forderung, dass private Investitionen über bessere Abschreibungsmöglichkeiten angeregt werden müssten. „Wir brauchen die degressive Afa zurück, das werde ich auf Bundesebene immer wieder einfordern“, versprach der nordrhein-westfälische Bauminister. 


NRW-Bauminister Lutz Lienenkämper unterstützte die Aktionsplattform "NRW wohnt".

An der Aktionsplattform „NRW wohnt“ hob Lienenkämper das „ungewöhnliche, innovative Veranstaltungsformat“ hervor, das sehr viel Resonanz erzeugt habe. Er forderte die AKNW dazu auf, das Thema weiter intensiv zu diskutieren und über ein Folgeprojekt nachzudenken. „Wiederholung ausdrücklich erwünscht!“

Das unterstrich auch Roswitha Sinz vom Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Rheinland Westfalen (VdW). „NRW wohnt hat viele Impulse ausgesendet, die wahrgenommen werden. Unsere Mitgliedsunternehmen fragen uns heute, was sie selber tun können, um den Dialog mit ihren Mieterinnen und Mietern zu intensivieren“, erläuterte Sinz. Für den VdW hob sie hervor, dass vor allem der dezentrale Ansatz, die Veranstaltungen über das ganze Land zu streuen, und das Gespräch mit den Nutzern vor Ort erfrischende Elemente der Aktionsplattform gewesen seien, die man fortführen müsse. „Wir sind gerne wieder dabei!“


NRW wohnt-Akteure und Preisträger (v. l.): Gabriela Ürlings (fotocommunity), Dr. Markus Zimmer, Thomas Leesch, Markus Schepers-Diekmann, Roswitha Sinz (VdW), Silvia Dirsch (3. Preis), Irina I. Wille, Hartmut Miksch (Prä-sident AKNW), Daniel Schoenen, Lutz Lie-nenkämper (NRW-Bauminister) und Sven Ko-rejtko (1. Preis).

Die Aktionsplattform „NRW wohnt“ wurde im November 2007 von der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen ins Leben gerufen, um einen engeren Austausch zwischen den planenden Berufen, der Wohnungswirtschaft und den Nutzern von Wohnungen anzustoßen. Anders als in Fachdebatten üblich sollten die Fachleute nicht unter sich bleiben, sondern im Dialog mit privaten Wohnungseigentümern und Mietern darüber sprechen, welche Wohnformen und -angebote die Bürgerinnen und Bürger sich heute wünschen.

Dieser Ansatz wurde auch in der Abschlussveranstaltung in Essen deutlich: Im Mittelpunkt stand - neben den politischen Bewertungen der Aktionsplattform - die Preisverleihung zum Fotowettbewerb „Wohn(t)räume - Lebensräume“, den die Architektenkammer NRW im Rahmen von „NRW wohnt“ gemeinsam mit der Internetgemeinschaft www.fotocommunity.de ausgelobt hatte. Im Gespräch mit der Moderatorin des Abends, WDR-Journalistin Gisela Steinhauer, erläuterten die preisgekrönten Hobby-Fotografen die Hintergründe zu den Fotos, die sie eingereicht hatten, vor allem ihren Bezug zum Wohnen. „Menschen in ihrer Wohnung zu fotografieren, ist ein ziemlich intimes Erlebnis“, merkte Sven Korejtko aus Siegburg an, der sich mit einer Portraitserie von jungen Leuten in verschiedenen Wohnräumen an dem Fotowettbewerb beteiligt hatte. „Dafür erzählt ein gelungenes Foto dann aber auch ganz viel über die Person, die sich in ihrer häuslichen Umgebung präsentiert.“ Das hatte die Jury unter Vorsitz von AKNW-Vizepräsident Dr. Christian Schramm genauso gesehen - und Sven Korejtko den 1. Preis des Fotowettbewerbs zugesprochen.

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