Siebengebirge - Wohnen und Arbeiten in alten Speichergebäuden

Das Bestandsgebäude wurde 1908 bis 1909 im Rheinauhafen in Köln errichtet. Es ist als erste in Deutschland errichtete Stahlbetonkonstruktion sowohl in gestalterischer als auch in bautechnischer Hinsicht höchst bedeutsam. Bis zur Wiedervereinigung diente es als Speicher für die nationale Notreserve. Das Gebäude ist 177 Meter lang. Die große Gebäudetiefe war ein Grund dafür, dass das Gebäude lange Zeit als nicht umbaufähig galt.

Neu entstanden sind 3.300 Quadratmeter Bürofläche im Erdgeschoss und 138 Wohneinheiten in den weiteren Geschossen. Auf gravierende Einschnitte in der Substanz wurde verzichtet, um das Gebäude in seiner authentischen Wirkung nicht zu überformen. Eine Gebäudetiefe von bis zu 22 Metern erschwerte die Belichtung der innenliegenden Räume.

Die rheinseitigen Ladeluken wurden aus verschiebbaren Elementen aus Glas und Lamellen neu interpretiert. Jeweils zwei Fenster wurden zu faltbaren Glaswänden zusammengefasst, um dahinter von außen kaum wahrnehmbare Loggien einzuordnen. Die für die Belichtung angelegte Durchfensterung der rheinseitigen Dachflächen wurde - in Reminiszenz an die historische Erscheinung des geschlossenen Schieferdaches - mit einem semitransparenten Metallscreen verblendet.

Ansicht auf das ehemalige Speichergebäude von der gegenüberliegenden Rheinseite aus.

Stadt:

Köln

Kategorie:

Mehrfamilienhaus

Entwurfs-
verfasser:

kister scheithauer gross - architekten und stadtplaner GmbH, Köln
Prof. Johannes Kister, Dipl.-Ing. Architekt Reinhard Scheithauer, Prof. Susanne Gross

Bauherren:

Pandion AG, Köln

Fertigstellung:

2007

 

Begründung der Jury

„Mit der Umnutzung des großvolumigen ehemaligen Getreidespeichers rückt das Thema Wohnen zukunftsweisend wieder unmittelbar an den Strom. Dabei werden die baulichen Zwangspunkte, große Gebäude und Belichtungstiefen sowie die für die Nachnutzung "Wohnen" erforderlichen Kriterien, mit einem minimalen Aufwand gemeistert. Beispielhaft seien die mit Fenstern verschließbaren rheinseitigen Loggien sowie die für die Fernwirkung kaschierten Dachflächenfenster genannt. Die Qualität der entstehenden flexibel aufzuteilenden Wohnungen wird einmal durch das stadt- bis rheinseitige Durchstecken erreicht. Zum anderen entwickelt die Symbiose von Wohnen am Strom und rau belassener innerer Materialität ihre eigene Wirkung. Planerische Anforderungen über den Denkmalschutz hinaus betreffen die weitestgehende Barrierefreiheit und Maßnahmen zum energie- und ressourcenschonenden Bauen sowie die auch zukünftig mögliche Umnutzung für die Wohnanforderungen besonderer Nutzergruppen. Die Belebung eines zentrumsnahen ehemaligen Versorgungsbauwerks mit ca. 130 Wohnungen ist beispielhaft. Darüber hinaus ist die vertraute 100-jährige Silhouette des "Siebengebirges" unverändert erhalten geblieben und verkehrt sich nunmehr mit einbrechender Dunkelheit in eine lebendige, vielfältig belebte und beleuchtete Analogie zu einem vorbeiziehenden Rheindampfer.“