Umnutzung eines ehemaligen Getreidesilos zum Einfamilienhaus

Der Getreidesiloturm ist 1963 entstanden. Es handelt sich um ein einfaches zweckbestimmtes Gebäude, das mit mehreren Lagerhallen ein kleines Gebäudeensemble bildet. Die Grundidee zum Umbau des 20 Meter hohen Turmes ist ein Adlerhorst. Der Turm hat eine Grundfläche von etwa neun mal zwölf Metern und besteht aus einem 36,5 Zentimeter starken Mauerwerk, das durch vier Stahlbetonringbalken gehalten wird. Die innen vorhandene Holzkonstruktion und das Dach wurden vollständig entfernt.

Drei neue Stahlbetondecken im oberen Drittel des Turmes bilden die neuen
Wohngeschosse und eine Dachterrasse. Die Erschließung vom Erdgeschoss bis zur Dachterrasse erfolgt in einem freigestellten neuen Sichtbetonkern mit Spindeltreppe und Aufzug. Der östliche Teil des Erdgeschosses liegt in der Höhe von 1,25 Metern. Dadurch bleibt das Untergeschoss erhalten. Hier gibt es Lagerflächen und Platz für die Heizungsanlage.

Eine Erdwärmeanlage heizt über den temperierten Sichtbetonkern den ganzen Turm. In diesem 11,77 Meter hohen Erdgeschossteil gibt es eine kleine Bar und ein Hochregallager für Autoteile. Das erste Obergeschoss liegt bei 12,60 Metern. Das Mauerwerk der Außenwände wurde innen mit einem Lehmputz verputzt. Außen erhielt der Turm eine Kernisolierung mit einer Vorsatzschale aus schwarzem Klinker.

Getreidesilo

Stadt:

Neuss

Kategorie:

Einfamilienhaus

Entwurfs-
verfasser:

van den Valentyn Architektur, Köln
Architekt Thomas van den Valentyn
Dipl.-Ing. Architekt Johannes van Linn

Bauherren:

Dr. Stefanie Clemen und Wolfgang Hübner, Neuss

Fertigstellung:

2006

 

Begründung der Jury

„Ein Kunstwerk ist hier entstanden -- zugegeben ein minimalistisches, auf das Notwendigste reduziertes und mit hohem Aufwand erkauftes, wie zumeist bei derartigen Konzepten. Überzeugend das klare Entwurfskonzept, die Strategie und Materialität. Wieder zu erkennen ist der Getreidesilo aus dem Jahr 1963 lediglich in seiner Kubatur und stadträumlichen Dominanz, als Bautyp des Turms, nun innen vollkommen entkleidet und mit einem neuen Betonkern versehen, außen vollkommen neu eingekleidet. Sicher bildet diese Umnutzung eine extreme Sondersituation ab: Als exklusive, avantgardistische Art individuellen Wohnens in alten Industriekulturen.“